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4.7.05

EVA stinkt zum Himmel! 

Folgendes Flugblatt haben wir bei einer Blockade-Aktion am 20. Mai 2005 vor der EVA (Ehrenfelder Verein für Arbeit und Qualifizierung) verteilt:

Liebe Arbeitslose und Ein-Euro-Jobber!
Wir kommen euch heute bei EVA aus drei Gründen besuchen:

  1. Wir sind gegen Ein-Euro-Jobs, weil sie eine Form von Zwangsarbeit sind.
  2. Viele von uns sind selbst arbeitslos. Keine und keiner von uns will irgendwann einmal in einer Klitsche wie der EVA landen.
  3. Wir wollen mit euch überlegen, wie wir gemeinsam diesen scheinheiligen Verein bekämpfen können.

Reden wir nicht lange drum herum: Die Arbeit bei EVA ist doch der letzte Käse, oder etwa nicht? Offiziell ist das, was ihr da macht, auch gar keine Arbeit, sondern eine „Arbeitsgelegenheit“. Ihr macht eine „Maßnahme“ die euch „qualifizieren“ und in den Arbeitsmarkt „integrieren“ soll. Die Realität hinter diesem Sozialpädagogen-Geschwafel sieht ja wohl ganz anders aus.

Die Werkstätten sind hoffnungslos unterversorgt. Niemand hat wirklich Bock, hier was zu machen. Es fehlt an Material und vernünftigem Werkzeug. Man langweilt sich zu Tode und lernt überhaupt nichts außer einer Sache: So zu tun als würde man arbeiten. Und pünktlich um kurz vor 7 Uhr morgens zu stempeln. (Warum eigentlich so früh? Warum nicht um 8 oder 9 Uhr? Die Antwort: Aus reiner Schikane.)

Arbeitsmarkt? Welcher Arbeitsmarkt?
Den Arbeitsmarkt, in den ihr angeblich integriert werden sollt, den gibt es da draußen sowieso nicht. Eher machen eure Tätigkeiten, wenn ihr denn mal auf eine Baustelle verschickt werdet oder ein paar Waschmaschinen oder Computer repariert habt, den Arbeitsmarkt kaputt, indem ihr in Konkurrenz zu den Firmen tretet, die keine Zuschüsse von der Stadt oder dem Arbeitsamt kriegen. Und diese Firmen senken dann wieder die Löhne oder machen Pleite. Und wo landen die Entlassenen dann? Bei EVA oder vergleichbaren Verwahranstalten, die mittlerweile wie Pilze aus dem Boden sprießen.

Das ist alles der komplette Schwachsinn. Es hat nur einen Grund: Ihr sollt aus der Statistik verschwinden. Denn wer eine Maßnahme macht, wird nicht als arbeitslos gezählt. Zum anderen werden durch diese Maßnahmen viele abgeschreckt, überhaupt Leistungen zu beziehen. Manchen ist der Laden einfach zu blöd und die Lebenszeit zu schade, um sie hier zu vergeuden, andere kennen ihre Rechte nicht und werden gesperrt. Sie alle beschönigen die Statistik. Und die Politiker stellen sich bei der nächsten Wahl frech vor die Kameras und feiern das
als Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. („Hartz IV
beginnt zu greifen.“) Zum Kotzen ist das.

Reden wir vom Geld:
Für eure Anwesenheit kriegt ihr eine „Mehraufwandsentschädigung“, die noch nicht einmal reicht, die Fahrt zu EVA und ein ordentliches Mittagessen zu bezahlen. Acht Stunden mal 70 Cent ergibt 5,60 €. Eine Fahrt mit der KVB kostet mittlerweile 2,10 €. Der größte Witz: Diesen Mehraufwands-Pseudo-Lohn unterteilen sie noch in verschiedene Kategorien: Manche kriegen 70 Cent, andere 1,20 € und wieder andere 1,50 €. Warum diese Unterschiede? Hat das irgend einen logischen Grund? Der „Mehraufwand“ ist für einen Arbeiter unter 25 ja wohl der selbe wie für einen gelernten Maschinenschlosser im Alter von 55. Wir alle müssen irgendwie mit der Bahn oder dem Auto fahren, wenn wir nicht zufällig um die Ecke wohnen, und wir essen auch alle gern zu Mittag. Der einzige Grund ist, dass die EVA-Sozialpädagogen-Strategen in ihren schlauen Seminaren gelernt haben, dass man eine Gruppe von Menschen besser lenken kann, wenn man sie in verschiedene Kategorien einteilt: Teile und herrsche.

Im Gesetz steht übrigens, dass für solche „Maß-nahmen“ 1 bis 2 Euro pro Stunde gezahlt werden sollen. EVA kriegt für jeden von euch mindestens 300,- € im Monat. Bei jeder Stunde, die ihr unentschuldigt fehlt, klingelt dann die Kasse. Dann werden 2,77 € pro Stunde abgezogen. Irgendwie komisch: Man kann nur 0,70 € verdienen, aber fast das Vierfache abgezogen bekommen. Klingt nach einem schlechten Deal. (Wieviel kriegen eigentlich die Damen und Herren Sozial-Pädagogen pro Stunde?)

Was wollen wir eigentlich?
Zunächstmal betrachten wir die Vereinbarungen, die ihr bei EVA oder Sprungbrett unterschrieben habt, als unzumutbar. Für uns sind das Zwangsmaßnahmen, die wir grundsätzlich ablehnen und die auch juristisch auf wackligen Beinen stehen. 345,- Euro Alg II im Monat plus Miete stehen euch einfach zu. Grundsätzlich gilt:

•Weg mit Ein-Euro-Pflicht-Diensten!

Als Sofortmaßnahme fordern wir:

• Zwei Euro Mehraufwand pro Stunde für alle!
• Ein warmes Mittagessen für alle!
• Kostenloses JobTicket für alle!

Kölner Kampagne Agenturschluss

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