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6.9.05

Lieber Hirsebrei als Linkspartei! Lieber Ouzo als Juso! 

Wahlparty schwarz-rot
Sonntag, 18. September 05, ab 17 Uhr
Ludolf-Camphausen-Str. 36, 50672 Köln
Folgendes Programm:

Nichtwähler erhalten bei Vorlage ihrer Wahlbenachrichtigung einen Ouzo ömesönst. Auch Leute, die der menschlichen Schwäche zu wählen, nicht widerstehen
können, sind herzlich eingeladen. Das ist uns vollkommen driss-ejal.

Veranstalter: FAU Köln



4.7.05

EVA stinkt zum Himmel! 

Folgendes Flugblatt haben wir bei einer Blockade-Aktion am 20. Mai 2005 vor der EVA (Ehrenfelder Verein für Arbeit und Qualifizierung) verteilt:

Liebe Arbeitslose und Ein-Euro-Jobber!
Wir kommen euch heute bei EVA aus drei Gründen besuchen:

  1. Wir sind gegen Ein-Euro-Jobs, weil sie eine Form von Zwangsarbeit sind.
  2. Viele von uns sind selbst arbeitslos. Keine und keiner von uns will irgendwann einmal in einer Klitsche wie der EVA landen.
  3. Wir wollen mit euch überlegen, wie wir gemeinsam diesen scheinheiligen Verein bekämpfen können.

Reden wir nicht lange drum herum: Die Arbeit bei EVA ist doch der letzte Käse, oder etwa nicht? Offiziell ist das, was ihr da macht, auch gar keine Arbeit, sondern eine „Arbeitsgelegenheit“. Ihr macht eine „Maßnahme“ die euch „qualifizieren“ und in den Arbeitsmarkt „integrieren“ soll. Die Realität hinter diesem Sozialpädagogen-Geschwafel sieht ja wohl ganz anders aus.

Die Werkstätten sind hoffnungslos unterversorgt. Niemand hat wirklich Bock, hier was zu machen. Es fehlt an Material und vernünftigem Werkzeug. Man langweilt sich zu Tode und lernt überhaupt nichts außer einer Sache: So zu tun als würde man arbeiten. Und pünktlich um kurz vor 7 Uhr morgens zu stempeln. (Warum eigentlich so früh? Warum nicht um 8 oder 9 Uhr? Die Antwort: Aus reiner Schikane.)

Arbeitsmarkt? Welcher Arbeitsmarkt?
Den Arbeitsmarkt, in den ihr angeblich integriert werden sollt, den gibt es da draußen sowieso nicht. Eher machen eure Tätigkeiten, wenn ihr denn mal auf eine Baustelle verschickt werdet oder ein paar Waschmaschinen oder Computer repariert habt, den Arbeitsmarkt kaputt, indem ihr in Konkurrenz zu den Firmen tretet, die keine Zuschüsse von der Stadt oder dem Arbeitsamt kriegen. Und diese Firmen senken dann wieder die Löhne oder machen Pleite. Und wo landen die Entlassenen dann? Bei EVA oder vergleichbaren Verwahranstalten, die mittlerweile wie Pilze aus dem Boden sprießen.

Das ist alles der komplette Schwachsinn. Es hat nur einen Grund: Ihr sollt aus der Statistik verschwinden. Denn wer eine Maßnahme macht, wird nicht als arbeitslos gezählt. Zum anderen werden durch diese Maßnahmen viele abgeschreckt, überhaupt Leistungen zu beziehen. Manchen ist der Laden einfach zu blöd und die Lebenszeit zu schade, um sie hier zu vergeuden, andere kennen ihre Rechte nicht und werden gesperrt. Sie alle beschönigen die Statistik. Und die Politiker stellen sich bei der nächsten Wahl frech vor die Kameras und feiern das
als Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. („Hartz IV
beginnt zu greifen.“) Zum Kotzen ist das.

Reden wir vom Geld:
Für eure Anwesenheit kriegt ihr eine „Mehraufwandsentschädigung“, die noch nicht einmal reicht, die Fahrt zu EVA und ein ordentliches Mittagessen zu bezahlen. Acht Stunden mal 70 Cent ergibt 5,60 €. Eine Fahrt mit der KVB kostet mittlerweile 2,10 €. Der größte Witz: Diesen Mehraufwands-Pseudo-Lohn unterteilen sie noch in verschiedene Kategorien: Manche kriegen 70 Cent, andere 1,20 € und wieder andere 1,50 €. Warum diese Unterschiede? Hat das irgend einen logischen Grund? Der „Mehraufwand“ ist für einen Arbeiter unter 25 ja wohl der selbe wie für einen gelernten Maschinenschlosser im Alter von 55. Wir alle müssen irgendwie mit der Bahn oder dem Auto fahren, wenn wir nicht zufällig um die Ecke wohnen, und wir essen auch alle gern zu Mittag. Der einzige Grund ist, dass die EVA-Sozialpädagogen-Strategen in ihren schlauen Seminaren gelernt haben, dass man eine Gruppe von Menschen besser lenken kann, wenn man sie in verschiedene Kategorien einteilt: Teile und herrsche.

Im Gesetz steht übrigens, dass für solche „Maß-nahmen“ 1 bis 2 Euro pro Stunde gezahlt werden sollen. EVA kriegt für jeden von euch mindestens 300,- € im Monat. Bei jeder Stunde, die ihr unentschuldigt fehlt, klingelt dann die Kasse. Dann werden 2,77 € pro Stunde abgezogen. Irgendwie komisch: Man kann nur 0,70 € verdienen, aber fast das Vierfache abgezogen bekommen. Klingt nach einem schlechten Deal. (Wieviel kriegen eigentlich die Damen und Herren Sozial-Pädagogen pro Stunde?)

Was wollen wir eigentlich?
Zunächstmal betrachten wir die Vereinbarungen, die ihr bei EVA oder Sprungbrett unterschrieben habt, als unzumutbar. Für uns sind das Zwangsmaßnahmen, die wir grundsätzlich ablehnen und die auch juristisch auf wackligen Beinen stehen. 345,- Euro Alg II im Monat plus Miete stehen euch einfach zu. Grundsätzlich gilt:

•Weg mit Ein-Euro-Pflicht-Diensten!

Als Sofortmaßnahme fordern wir:

• Zwei Euro Mehraufwand pro Stunde für alle!
• Ein warmes Mittagessen für alle!
• Kostenloses JobTicket für alle!

Kölner Kampagne Agenturschluss

8.3.05

Wer nicht fragt bleibt dumm. 

Liebe Arbeitslose und Sozi-EmpfängerInnen!
Liebe Ein-Euro-Jobber und Niedriglohn-MalocherInnen!

Seit dem 1. Januar 2005 sind wir nun in neue Schubladen gesteckt worden: Arbeitslosengeld, ALG II und Sozi. Was diese Änderungen durch Hartz IV konkret bedeuten, das beginnen die meisten von uns erst langsam zu ahnen. Denn die Umsetzung des vollen Programms steht erst bevor.

Immerhin haben Arbeitsagentur und Sozialamt der Stadt Köln eine Arbeitsgemeinschaft (ARGE) gegründet. Diese soll in Zukunft die ALG II-BezieherInnen - also weit über 50.000 Menschen - verwalten und „in Arbeit bringen“. Nach bisherigen Planungen sollen auf dem Kölner Stadtgebiet mehrere JobCenter und ähnliche Einrichtungen entstehen, die uns dann vor Ort „fördern und fordern“ wollen. Das heißt die ARGE-Strategen werden versuchen, uns den Bezug von Leistungen möglichst zu erschweren und möglichst viele Gegenleistungen von unserer Seite zu erwarten (vermehrte Bewer-bungsbemühungen, Trainings-Maßnahmen, Ein-Euro-Jobs).

Zum 1. Januar 2005 wurde ein Großteil der ALG-II- Anträge bewilligt, vermutlich weil die Verwaltung überfordert war und weil massive Proteste bis hin zu Arbeitsamtsblockaden drohten, wenn die Gelder ausgeblieben wären. Nach drei bis neun Monaten laufen die ersten ALG-II-Bewilligungen aus. Es ist zu erwarten, dass dann viel genauer kontrolliert wird.

Die Gegenseite kommt mit ihrer Hartz-IV-Maschinerie derzeit nicht recht in Gang. Das bedeutet eine kurze Verschnaufpause für uns, die wir nutzen wollen, um uns auf die bevorstehenden Konflikte vorzubereiten:

• Ein-Euro-Jobs
Sie bieten Dir Niedrigstlohn-Arbeit und drohen mit Sperren.
• Wohnungsnot
Deine Miete ist angeblich zu hoch, Die Ämter übernehmen nicht die vollen (Neben-)Kosten
• Kontrollen
Sie drohen mit Hausbesuchen wegen „Bedarfgemeinschaften“ und Razzien wegen „Schwarzarbeit“

Noch ein paar Takte zu Ein-Euro-Jobs:

Nach internationalem Recht, das auch in Köln gilt, ist eine Pflichtarbeit unter Androhung von Strafe verboten (Erklärung der Menschenrechte von 1948, Artikel 25.1). Wir bestehen darauf, uns unsere Arbeit selbst zu suchen und über deren Bedingungen zu verhandeln.

Wir arbeiten nicht für ein Taschengeld sondern für echten Lohn. Dennoch haben wir volles Verständnis für alle Arbeitslosen, die sich durch die Umstände gezwungen sehen, Ein-Euro-Jobs anzunehmen.

Was können wir tun?

Unser Ziel ist es eine Gewerkschaft der Arbeitslosen und Niedriglohn-Abhängigen aufzubauen, die in der Lage ist, sich effektiv zu wehren. Wir versuchen uns deshalb zunächst ein genaues Bild der Lage zu machen. Dafür benötigen wir im Moment vor allem eure Erfahrungen:

• Habt ihr oder Bekannte von euch Ein-Euro-Jobs angeboten bekommen? (Was, wo, wann, zu welchen Bedingungen?)

• Gibt es Probleme mit der Miete und mit Nebenkosten?

• Welche Erfahrungen habt ihr mit „Bedarfsgemeinschaften“ und ähnlichem gemacht?

• Habt ihr Kontrollen und Hausbesuche erlebt?

In einem nächsten Schritt werden wir dann überlegen, wo unser Widerstand ansetzen kann. Besonders sind wir daran interessiert, Leute zu unterstützen, die Konflikte mit den Ämtern haben (Arbeitsagentur, Sozialamt, ARGE, Wohnungsamt), oder die Probleme mit Maßnahme-Trägern und Ein-Euro-Job-Klitschen haben.

Deshalb, sprecht mit uns vor Ort, kommt zu unseren Treffen, oder schickt uns E-Mails!

Ein Angriff auf eine(n)
ist ein Angriff auf alle!

3.1.05

Agenturschluss in Köln - ein Bericht 

Zwischen 150 und 200 Personen rotteten sich ab 9 Uhr vor dem Kölner Arbeitsamt zusammen. Gegen 9.30 beschlossen wir, hinein zu gehen. Das Kölner Amt hat in den letzten Monaten - wohl auch um für Proteste besser gewappnet zu sein - eine Art Schleuse vor den Eingang gebaut, wo intern Glastüren einen Vorraum vom Treppenhaus abschirmen. Sehr geschickt an für sich, denn so wollte man uns ins Amt lassen, was uns als Arbeitslose und Neu-Antrags-StellerInnen auch zusteht, ohne uns wirklich ins Amt zu lassen. Der Kölner Behörden-Chef Welters war persönlich zu Gegen im Kreise seines "Werkschutzes" (Team Infrastruktur) und eines privaten Sicherheitsunternehmens.

Die Kölner Zange: kreative Gesetzes-Anwendung und körperlicher Druck

So versuchten die Herren der Innen-Schleuse, mit ihrem behördlich geschulten Blick zwischen "echten" Arbeitslosen und "bloßen" Protestlern auszusieben. Was natürlich nicht gelang und schon Etlichen ein Durchsickern ermöglichte. Dann setzten wir eine Zange aus juristischen Feinheiten und körperlicher Präsenz an, welche die Gegenseite letztendlich zur Kapitulation brachte. Wir wollten uns keine Ungleichbehandlung gefallen lassen. Als politisch und gewerkschaftlich (z. B. FAU) organisierte Arbeitslose/Berufstätige/Auszubildende hatten wir das selbe Recht auf Zugang wie unorganisierte, so genannte "normale" Arbeitslose. Dem Amts-Chef wurde mit einem Disziplinar-Verfahren gedroht (Anwalt war vor Ort), wir stellten uns in Zweier-Reihen auf: Je ein "Betroffener" mit "Beistand" gemäß § 13,4 SGB X. Das Schlangestehen hätte an sich schon eine Blockade herbei geführt, wenn wir dazu über gegangen wären, alle Neuankömmlinge in "deutscher" Manier mit "Hinten Anstellen" zu begrüßen. Die Schlange wäre in kurzer Zeit bis auf die Straße gegangen.

Dann wurden allerdings einige von uns ungeduldig und setzten sich über die recht dünne und halbherzige Sperre der Gegenseite einfach hinweg. Etliche Journaille mit Kameras dürfte dazu beigetragen haben, dass die Innen-Schleuser von einer massiveren Sicherung des Gebäudes Abstand nahmen.

Drinnen: Open shop

So war die Arbeitsagentur Köln mit ihren 15 Stockwerken und zwei Nebentrakten und vielleicht 800 Beschäftigten plötzlich unser Spielplatz. Wir hatten eine Trommel-Samba-Gruppe dabei, einen Tapeziertisch mit Kaffee und belegten Brötchen. Dazu Flugblätter an Arbeitslose und eines an die Angestellten der BA, die wir ihnen in die Büros reichten. Wir zogen in mehreren Demo-Zügen trommelnd und skandierend durchs Amt. Unsere Parole "Niedrig-Lohn, Zwangsarbeit - Dafür ham wir keine Zeit" singend wie ein Mantra der Hare-Krishnas. Wir besuchten das Team "Bußgelder und Strafen" (BuStra) sowie "Schwarzarbeit" in den Zimmern 932-945, wo sich Angestellte den ganzen Tag mit der Drangsalierung von ProletInnen beschäftigen. Hier konnten kleinere Sachbeschädigungen nicht vermieden werden, gingen aber über die Demolierung von Büroschildern und etwas Edding-Geschreibsel nicht hinaus. Außerdem wurde unser Ton ruppiger.

Im 14. Stock besuchten wir das Büro des bemüht freundlichen und gestressten Amtsleiters Welters und gelangten bis hinter seinen Schreibtisch. Wir bewunderten die schönen Gemälde in seiner großräumigen Residenz und den wunderbaren Blick über Köln. Dann zogen wir durch das Treppenhaus von einer Etage durch die nächste, immer trommelnd und in Trance singend "Niedrig-Lohn, Zwangsarbeit- Dafür ham wir...." Ich kann euch sagen, das hat genervt. Und Spaß gemacht.

Der Abschluss kam um ca. 12 Uhr in der Kantine im Untergeschoss, wo wir einigen nun doch deutlich unfreundlichen BA-Angestellten noch einmal unsere Meinung zur Politik ihrer Behörde darlegten, nebenbei Kaffee tranken und selber speisten (Alles wurde bezahlt.). Irgendwann soll dann doch noch die Polizei aufgelaufen sein, aber da waren wir schon weg. Keine Festnahmen, keine Personalien-Feststellung.

Abschließend können wir von einem vollen Erfolg reden, wenn wir realistischer Weise konstatieren, dass eine wirkliche Schließung des Kölner Arbeitsamts nur bei einer polizeistaatlichen Überreaktion der Gegenseite möglich gewesen wäre. So hat man uns immens viel Spielraum gelassen, den wir optimal und vermutlich zum großen Ärger der Amtsleitung ausgenutzt haben.

Das alles ist allerdings nichts, wenn es sich als Strohfeuer heraus stellen sollte, als eine Art Ablasshandlung, nach dem Motto "Hauptsache wir haben was gemacht". Es sollte ein spektakulärer Auftakt sein, ein Kennenlernen der Behörde und ihrer Bedingungen. Und ein Heranführen der Hartz-IV-Proteste weg von den Fußgängerzonen hin zu so etwas wie greifbarem Widerstand vor Ort.

Für 2005 steht an:
Weg mit den Ein-Euro-Jobs! Gute Bezahlung oder schlampige Arbeit.
Keine Zwangsräumungen! Mietübernahme und akzeptabler Wohnraum für alle!

29.12.04

4. anarchistisches Neujahrstreffen 

Die FAU Köln lädt ein:

Donnerstag, 6. Januar 2005, ab 20.00
Ludolf-Camphausen-Str. 36, 50672 Köln


Unser Quasi-Klassiker: Das erweiterte Familientreffen. Libertäre,
Antiautoritäre, Anarch@s und solche die es werden könnten, sowie
Arbeitsscheue und Proleten lassen das vergangene Jahr Revue passieren,
planen die Weltrevolution und begießen diese mit reichlich Getränken. Als
Grundlage dient ein ordentliches Essen, das uns diesmal auf den indischen
Subkontinent entführen wird (Sambaar, Reis, Chiapati - vielleicht sogar
frisch und selbstgemacht - , plus Nachtisch).


17.9.04

An die Angestellten der Bundesagentur für Arbeit! 

Jede Medaille hat ihre zwei Seiten. Von den Hartz-Gesetzen sind zunächst einmal alle Arbeitslosen betroffen. Sie bedeuten außerdem einen massiven Angriff auf die Rechte der arbeitenden Bevölkerung und bedrohen bundesweit Hunderttausende mit Armut. Deshalb machen wir Stunk und werden in Zukunft unsere Renitenz verschärfen.

Ihr als Angestellte der BA sitzt dabei zwischen den Fronten.

Von oben seid ihr ständigen Umstrukturierungen ausgesetzt. Ihr wisst nicht, wo ihr in Zukunft arbeiten werdet. Die Computer-Programme wechseln häufiger als die Jahreszeiten. Und meistens funktionieren sie eher schlecht, oftmals gar nicht. Ganz zu schweigen von den unzähligen Verwaltungsvorschriften und -richtlinien.

Die Umsetzung von Hartz IV bringt große verwaltungstechnische Probleme mit sich. Eine gewissenhafte Planung würde bedeuten, die Einführung des ALG II zumindest um ein halbes Jahr zu verschieben. Doch Wirtschaftsminister Clement zieht durch und zwingt euch mit Urlaubssperren, Schichtarbeit und Überstunden das Unmögliche möglich zu machen.
Ihr seid nicht nur den überzogenen Anforderungen eurer Chefs ausgesetzt, sondern auch einer wachsenden Aggressivität von unten, von Seiten der Betroffenen. An vielen Stellen ist offener Hass zu spüren, der nicht selten die Schwelle zur Gewalttätigkeit übertritt.

Diese Aggressivität hat ihre Ursache zunächst in der blanken Not der Betroffenen. Manchmal macht sie blind. Es mag auch schwarze Schaafe unter euch Beschäftigten geben, die durch Karrieredenken und Kaltblütigkeit getrieben sind und die herrschenden Gesetze - die schlimm genug sind - nach Gutsherrenart anwenden. Zunächst einmal gehen wir aber von der Grundannahme aus, dass auch ihr, die Beschäftigten der BA, Opfer von Hartz IV seid. Dass ihr ohne euer Zutun zwischen die Fronten geraten seid. Denn wir glauben an die Solidarität der arbeitenden Bevölkerung.

Deshalb appellieren wir an euch:
Macht den Scheiß nicht mehr mit!

Lasst euch nicht verheizen für ein Verelendungs-programm, dass am Ende des Tages euch selbst und eure Freunde und Bekannten treffen wird.

Wir erwarten von euch: Streik! Oder mindestens "Dienst nach Vorschrift". Auch müsst ihr nicht jede Grippe mit Antibiotika bekämpfen, sondern könntet euch mal ein paar Tage ins Bett legen und auskurieren.

Unser Protest richtet sich NICHT gegen diejenigen Beschäftigten der Agenturen und der Ämter, die sich ebenfalls dagegen wehren, dass Menschen derart entwürdigend behandelt werden sollen - wir hoffen und bauen auf die gegenseitige Solidarität!

Als ArbeitsvermittlerIn oder FallmanagerIn, schließt ihr mit "Kunden" einen Eingliederungsvertrag ab und entscheidet, ob die "Kunden" gar z.B. als Arbeitsgelegenheit einen Ein-Euro-Job annehmen müssen. Nach dem internationalen Recht, das auch in Deutschland gültig ist, ist eine Pflichtarbeit unter Androhung einer Strafe verboten (Erklärung der Menschenrechte von 1948, Artikel 25, Abs. 1.). Und was sollen die angedrohten Kürzungen anderes sein als Strafen? Ihr habt Spielräume (bei allem Druck, bei aller Kontrolle und Statistik) - nutzt diese zu Gunsten der Betroffenen und unterstützt unsere Proteste gegen die Hartz-Gesetze!

Es gibt KollegInnen, die ihre Spielräume durchaus im Sinne einer "Verfolgungsbetreuung" nutzen - Eure "Kunden" kennen einige davon, ihr kennt sie bestimmt auch. Wir haben nicht vor, solche Leute aus ihrer persönlichen Verantwortung zu entlassen. Kritische BA-Mitarbeiter müssen sich mit dem vorauseilendem Gehorsam ihrer KollegInnen auseinandersetzen.

Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske hat sich gegen Proteste vor den Arbeitsagenturen oder die Kampagne Agenturschluss gewandt, weil "die Politik" diese Gesetze verabschiedet habe, nicht die Beschäftigten. Recht hat er: die Gesetze wurden von "der Politik" verabschiedet - leider mit teilweiser Zustimmung der Gewerkschaftszentralen, auch von ver.di.
Doch alle Gesetze, nicht nur diese repressiven, bleiben bedeutungsloses Papier, solange sie nicht umgesetzt werden!

Es gibt viele Gründe, sich gemeinsam zu wehren!
Fangen wir endlich an!

Arbeitslosenfrühstück und "Schätzung geldwerter Gegenstände" 

Donnerstag, 4. November 04, ab 10 Uhr vorm Arbeitsamt Köln Luxeburger Str. 121

Für das korrekte Ausfüllen unserer ALG II-Anträge müssen wir wissen, was die Gegenstände unseres Haushalts wert sind. Bringt Omis Sammeltassen mit, die Beatles-Original-Pressung, die Erstausgabe des "Konzept Stadtguerilla" von 1971, und eure Atari-Konsolen, was auch immer! Diejenigen, die keine Anträge abzugeben haben, werden nach § 13, SGB 10 als Beistand mitgenommen. Es gibt Kaffee und belegte Brötchen.

Hartz IV blockieren: ALG II-Anträge verzögern! 

Gemeinsame Abgabe der ALG II-Anträge
Montag, 6. Dezember 04, 11 Uhr
Arbeitsamt Köln Luxemburger Straße 121

Es besteht die realistische Chance, dass die Umsetzung von Hartz IV zum 1. Januar kippt und sich um Monate verzögert. Das wäre ein kleiner Sieg für uns und eine erste Schlappe für die Strategen der Armutsverwaltung. Dafür würde es reichen, wenn viele Leistungsberechtigte ihre Formulare erst Anfang Dezember 2004 abgeben.

Die Bundesagentur (BA) pfeift jetzt schon aus dem letzten Loch, die Mitarbeiter sind unmotiviert, schlecht eingearbeitet, die Computerprogramme funktionieren nicht. Ein kleiner Tritt noch und der tönerne Riese fällt auf die Schnauze. Der interne "Handlungsleitfaden für Agenturen" gibt an: "Ab Mitte Dezember muss für vollständige Anträge, die nicht mehr bearbeitet werden können, eine Abschlagszahlung angeordnet werden [...] Ab dem 1. Januar 2005 müssen für unmittelbar Bedürftige Bargeld und Schecks bereitgehalten werden.

Zum 2. August meldete die "Westdeutsche Zeitung", dass die Bundesregierung im Oktober prüfen wolle, ob das "Hartz IV-Gesetz" pünktliche in Kraft treten könne.

Zu Terminen erscheinen,
aber nicht abgeben

Um die Anträge einzutreiben, schickt uns die BA in Köln persönliche Termine, bei denen wir unsere Formulare abgeben sollen. Diese Termine sind für die Abgabe der Anträge keineswegs bindend. Ihr solltet zwar hingehen (Mitwirkungspflicht), könnt aber immer behaupten, ihr hättet noch gar keine Formulare erhalten, hättet noch Fragen, würdet mit Beratungsstellen in Kontakt stehen etc. Theoretisch reicht der 31. Dezember 2004 für die Abgabe aus. Wir schlagen einen etwas früheren Termin vor: den 6. Dezember 2004. Dann haben wir zur Sicherheit noch zweieinhalb Wochen.

Geld her - oder richtig Zoff!

Lasst euch nicht ins Bockshorn jagen von der Androhung, wir könnten 2005 ohne Geld dastehen, wenn wir die Anträge später abgeben. Wir müssen offensiver an die Sache heran gehen: Wenn eine(r) von uns im Januar oder Februar 2005 tatsächlich ohne Geld dastehen sollten, dann kracht es richtig. Dann werden wir gemeinsam so lange in den Amtsfluren sitzen, bis die Schecks, Abschlagszahlungen oder sonstiges, bar in unsere Hände wandern. Dieses Szenario wird sich Rot-Grün ersparen wollen. Also: Mitmachen, Antrag verzögern und weitersagen

8.9.04

Ein Angriff auf eine(n) ist ein Angriff auf alle! 

Seit Oktober 2003 stehen Mitglieder der FAU Köln jeden Montag vor dem JobCenter Köln. Das Arbeitslosen Syndikat der FAU Köln hat sich im Sommer 2004 gegründet. Frühere Aktivitäten zum Thema "Arbeitslosigkeit" findet ihr auf dem nebenstehenden Link "allgemeines syndikat köln".

Wer wir sind und was wir wollen:

Unser Ziel ist es, eine schlagkräftige Arbeitslosen-Gewerkschaft aufzubauen. Wir haben nichts mit den bürokratischen DGB-Bremsern zu tun, deren Hauptaufgabe in der Schlichtung, Vermittlung und Mitgestaltung des alltäglichen Wahnsinns liegt ("Co-Management").

Wir meinen eine Gewerkschaft im ursprünglichen Sinn: als Selbsthilfe- und Kampf-Organisation der Betroffenen, ohne Funktionäre, unabhängig von Parteien und Institutionen. Gegründet zu folgendem Zweck:

•Verbesserung unserer Lebensverhältnisse
•Verteidigung gegenüber Ämtern, Behörden und Vermietern
•Gegenseitige Hilfe, Beratung und Weiterbildung
•Aufbau eines Rechtshilfe- und Prozesskosten-Fonds
•Öffentliches Auftreten und direkte Aktionen

Wir sind – wie gesagt - im Aufbau begriffen und suchen MitstreiterInnen, die in diesem Sinne Zeit und Energie investieren wollen.

Alle, die jetzt aufstehen, müssen sich widersetzen!  

Großer Arbeitslosen-Ratschlag

Wann: Do 9. September 04 20Uhr
Wo: Ludolf-Camphausen-Str. 36 (Hans-Böckler-Platz / Bf.West)


Montagsdemos in Ost und West. Proteste an allen Ecken und Enden. Die Einführung des Arbeitslosengeld II (ALG2) ist das Thema des Sommerlochs geworden. Und endlich scheint sich was zu rühren, die Menschen zieht es auf die Straße.

Genauso schnell kann aber alles wieder vorbei sein: Wenn die Strategen der Arbeits- und Elendsverwaltung ein paar Nachbesserungen vornehmen und die krassesten Unverschämtheiten zurück nehmen (Wie jetzt mit dem Auszahlungstermin und den Kindersparbüchern), wenn die Schmierlappen aus Presse, Funk und Fernsehen wieder uns, die angeblich hässlichen Sozialschmarotzer und faulen Arbeitsverweigerer an der Heimatfront, für den Verfall des Kapitalismus verantwortlich machen. Wenn 2005 unzumutbare Arbeitsangebote (Ein-Euro-Jobs) auf uns zu kommen und Sperren drohen. Dann bläst uns der Wind nicht mehr in den Rücken, sondern wieder mitten ins Gesicht.

Deshalb kann und darf es nicht bei politischen Protesten bleiben – wichtig ist der konkrete Widerstand. Und der wird in den Arbeits-, Sozial-, und Wohnungsämtern ausgefochten. Von Einzelfall zu Einzelfall, indem wir uns zusammenschließen und gemeinsam für unsere Rechte, für mehr Geld, menschenwürdigen Wohnraum, gegen Zwangsarbeit und Schikanen kämpfen.
Das Arbeitslosen Syndikat Köln lädt alle Arbeitslosen und Sozialhilfe-EmpfängerInnen ein, über konkrete Maßnahmen im Herbst 2004 und darüber hinaus zu diskutieren.

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